Bindungsrepräsentationen und Beziehungsmuster gewalttätiger Frauen

Das Forschungsprojekt hatte zum Ziel, Erkenntnisse über Bindungsrepräsentationen und internalisierte Beziehungsmuster von Gewalttäterinnen zusammenzutragen, um klinisch relevantes Wissen für die Forensische Psychotherapie zu generieren. Untersucht wurden lebensgeschichtliche Erzählungen von Frauen, die wegen Mordes oder schwerer Körperverletzung zu Freiheitsstrafen verurteilt waren. Fokussiert wurden dabei die in den Narrativen zum Ausdruck kommenden Beziehungsmuster sowie die Vorstellungen und Wünsche der Probandinnen an ihre Bezugspersonen. Forschungsleitende Annahme war, dass Gewaltstraftaten mit negativen mentalen Repräsentationen des Selbst und der Anderen verknüpft sind. Das Forschungsprojekt, unter Mitarbeit von Dipl.Psych. Carola Modica, wurde von der Lotte Köhler Stiftung, München, finanziert.

Publikationen:
  • Modica C, Lamott F, Pfäfflin F, Buchheim A, Pokorny D & Ross T (2011) Exploration und Autonomie in Bindungsnarrativen von Frauen, die Gewaltdelikte begangen haben. Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, Vol. 18 (1): 93-112
Bindungsrepräsentation und Mentalisierungsfähigkeit drogenabhängiger Frauen (2004/05)

Über Bindung und Drogenabhängigkeit gab es wenige empirische Studien. Die Bindungstheorie stellt methodische Instrumente zur Verfügung, die Aussagen über den Zusammenhang zwischen frühen Bindungserfahrungen, traumatisierenden Beziehungen, gescheiterten Ablösungsprozessen und späterer Abhängigkeit erlauben. Mithilfe bindungstheoretisch fundierter Diskursanalysen wurden die Bindungsrepräsentationen drogenabhängiger Frauen erhoben. Sie lieferten Hinweise auf spezifische Bindungs- und Mentalisierungsstörungen. Diese Erkenntnisse können die Grundlage für die Entwicklung spezifischer Präventions- und Therapiemethoden liefern. Das Projekt unter Mitarbeit von Dipl.Psych. Carola Modica wurde von der Lotte-Köhler-Stiftung/ München unterstützt.

Publikationen:
  • Modica C, Lamott F (2008) Beziehungsmuster und Bindungsrepräsentationen bei drogenabhängigen forensischen Patientinnen. In: Albani C, Pokorny D, Blaser G, Kächele H. (Hrsg) Beziehungsmuster und Beziehungskonflikte. Theorie, Klinik und Forschung. Vandehoeck & Ruprecht, Göttingen, S 98-100
  • Lamott F (2005) Trauma und Sucht. Bindungskatastrophen und Drogenabhängigkeit von Frauen. ZPPM Zeitschrift für Psychotraumatologie und Psychologische Medizin 3(3): 57-68
Bindungsmuster, Gewalterfahrungen und Lösungsversuche von Frauen - Ein Vergleich zwischen Frauen mit und ohne Partnertötung (2000 - 2002)

Die Frage, ob sich Bindungsmuster von Frauen unterscheiden, die ihren Partner töteten oder ins Frauenhaus gingen, war Fokus der Studie. Mit qualitativen und quantitativen Verfahren wurden zwei Untersuchungsgruppen hinsichtlich ihrer Bindungsmuster (Adult Attachment Interview, AAI; Erwachsenen-Bindungstypen-Rating, EBPR), psychischer Beschwerden und Traumatisierungen befragt. Ein wichtiges Ergebnis der Studie war der signifikante Unterschied zwischen den beiden Gruppen hinsichtlich ihrer Bindungsstile (gemessen mit EBPR). Es konnte die Hypothese bestätigt werden, dass Frauen, die ihren Partner getötet hatten, häufiger den Bindungsstil "unsicher gemischt" aufwiesen. Projektbearbeiterin: Dipl. Psych. Natalie Sammet

Dr. biol. hum. Natalie Sammet, Diss. Universität Ulm: Frauen mit Gewalterfahrungen. Bindungsmuster und Lösungsversuche.

Publikationen:
  • Lamott F, Sammet N, Pfäfflin F (2004) Attachment representations and attachment styles in traumatized women. In: Pfäfflin F, Adshead G (Hrsg) A Matter of Security. The Application of Attachment Theory to Forensic Psychiatry and Psychotherapy. Jessica Kingsley Publishers, London, S 250-260
Bindungsrepräsentationen von Frauen, die getötet haben. Trauma, Beziehung und Tat.

Das von der DFG geförderte Forschungsprojekt ergab, dass den Gewalttätigkeiten der Frauen Gewalterfahrungen in ihrer Kindheit vorausgingen; sie alle waren schwer traumatisiert. Während die Frauen, die wegen Tötungsdelikten im Strafvollzug einsaßen (überwiegend wegen Delikten gegen ihre Partner), meist körperliche Misshandlung und sexuellen Missbrauch erlitten haben, waren die Probandinnen des Maßregelvollzugs (überwiegend wegen Tötungsdelikten an ihren Kindern) durch den Verlust wichtiger Bezugspersonen oder durch depressive und suizidale Mütter traumatisiert. Dementsprechend unterschieden sich die Bindungsrepräsentationen der Frauen im Strafvollzug von denen im Maßregelvollzug: Im Strafvollzug wurden 58% und im Maßregelvollzug 85% als „unsicher“ eingestuft. Die meisten der untersuchten Frauen hatten ihr Trauma im Sinne der Bindungstheorie nicht verarbeitet. Die Probandinnen im Maßregelvollzug zeigten jedoch weitaus häufiger "fragmentierte" Bindungsrepräsentationen (CC= 36 %) als jene im Strafvollzug (16%). Das heißt, dass sich die beiden Gruppen im Hinblick auf ihre Bindungsrepräsentationen deutlich unterscheiden.

Publikationen:
  • Lamott F, Fremmer-Bombik E, Pfäfflin F (2004) Fragmented attachment representations. In: Pfäfflin F, Adshead G (Hrsg) A Matter of Security. The Application of Attachment Theory to Forensic Psychiatry and Psychotherapy. Jessica Kingsley Publishers, London, S 85-109
  • Lamott F, Pfäfflin F (2001) Bindungsrepräsentationen und Beziehungsmuster von Frauen, die getötet haben. Monatschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform 84 (1):10-24
  • Lamott F, Fremmer-Bombik E, Pfäfflin F (2001) Fragmentierte Bindungsrepräsentationen bei schwer traumatisierten Frauen. Persönlichkeitsstörungen. Theorie und Therapie (PTT) 5(2):90-101
  • Lamott F, Pfäfflin F, Ross T, Sammet N, Weber M, Frevert G (1998) Trauma, Beziehung und Tat. Bindungstheoretische Rekonstruktion interpersonaler Beziehungserfahrungen von Frauen, die getötet haben. Monatschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform 81(4):235-245